Fehlercodebeschreibung
Verbrennungsaussetzer – FC P0300
Vorwort & Definition
Definition
Es ist notwendig zwischen den Begriffen Verbrennungsaussetzer & Zündaussetzer zu differenzieren.
Bei Zündaussetzern handelt es sich um Fehler, die durch einen Defekt in der Zündanlage hervorgerufen werden. Bei Verbrennungsaussetzern (hierzu zählen wir in diesem Artikel auch den Sachverhalt, wenn der Verbrennungsprozess nicht oder nur unvollständig stattfindet).
- Fehlercodes, die auf Verbrennungsaussetzer hinweisen, starten bei dem Nummernkreis P0300 und enden bei dem Nummernkreis P0312.
- Fehlercodes, die auf Zündaussetzer hinweisen, starten bei dem Nummernkreis P0350 und enden bei dem Nummernkreis P0362.
Vorwort
Verbrennungsaussetzer sind ein häufiger Grund für Ausfälle moderner Benzinmotoren und haben verschiedene Ursachen. Eine gründliche Fehlerdiagnose ist entscheidend für eine zielführende Reparatur.
Bei der Diagnose von Verbrennungsaussetzer spielen, wenn vorhanden, Fehlercodes eine wichtige Rolle. Diese können auf bestimmte Zylinder oder allgemeine Probleme hinweisen. Fehlercodes in Zusammenhang mit einem Verbrennungsaussetzer beginnen mit P030… . Die nachfolgenden Ziffern geben den Zylinder an, bei dem der Verbrennungsaussetzer festgestellt wurde. Der Fehlercode P0304 steht also für einen Verbrennungsaussetzer in Zylinder 4. P0300 ist ein Fehlercode, bei dem der Zylinder nicht angegeben ist und der Fehler mehr als einen Zylinder betrifft. Diese Fehlercodes können auch gemeinsam auftreten. Aus unserer Erfahrung heraus können wir an einem Punkt bereits jetzt vorgreifen: Ein Defekt im Motorsteuergerät ist in den seltensten Fällen die Ursache der Störung.
In diesem Artikel werden wir auf die Erkennung von Verbrennungsaussetzer, deren möglichen Ursachen sowie der Diagnose der Störung von Verbrennungsaussetzern genauer eingehen.
Was sind Verbrennungsaussetzer?
Bei Verbrennungsaussetzer/ unsauberen Verbrennung kommt es entweder zu gar keiner oder nur einer unvollständigen Verbrennung des Kraftstoff-Luft-Gemisches.
Das EOBD-Motormanagementsystem (europäische Version des amerikanischen OBD-II-Standards) moderner Fahrzeuge erkennt Verbrennungsaussetzer mit Hilfe von Sensoren, zum Beispiel dem Kurbelwellenpositionssensor/ Klopfsensor & der ersten Lambdasonde.
Genauer, indem es die Zeitpunkte der Zündungen, die Dauer eines Zündvorganges und die Abstände zwischen den einzelnen Zündvorgängen Millisekundengenau überwacht.
Zudem erkennt das Steuergerät durch den Kurbelwellenpositionssensor exakt, wenn es bei einer Verbrennung nicht zu der erwarteten Leistungsentfaltung eines Zylinders kommt.
Alle Abweichungen vom Sollzustand werden vom Motorsteuergerät erkannt und als Verbrennungsaussetzer gewertet. Je nachdem, wie schwerwiegend die Verbrennungsaussetzer sind, können Motorschutz-Maßnahmen (Notlauf & Abschaltung der Einspritzung) die Folge sein.
Wichtig hierbei zu erwähnen ist, dass Verbrennungsaussetzer immer über einen festgelegten Zeitraum vom Motorsteuergerät überwacht und bewertet werden. Das heißt, in einem fest definierten Zeitfenster wird geprüft, ob es Abweichungen bei den Verbrennungsvorgängen gibt. Sollte es in einem Prüfintervall zu Abweichungen zwischen Ist- und Sollwert kommen, wird dies im Motorsteuergerät hinterlegt und die Motorkontrolllampe leuchtet im Kombiinstrument auf.
Somit kann es sein, dass die Motorkontrolllampe im Kombiinstrument aufleuchtet/ der Motor kurz ruckelt/ es zu Leistungsverlust kommt, jedoch schon wenige Augenblicke später das Motormanagementsystem wieder vollkommen fehlerfrei funktioniert, da es nur in einem Prüfintervall zu Verbrennungsaussetzern kam.
Wie können sich Verbrennungsaussetzer bemerkbar machen?
Dauerhafte Störung
- Die Motorstörungsleuchte leuchtet auf, das Fahrzeug fährt mit verminderter Leistung/ der Motor ruckelt
Gelegentliche (sporadische) Störung
- Die Motorstörungsleuchte leuchtet auf, aber das Fahrzeug fährt normal.
- Die Motorstörungsleuchte leuchtet auf, das Fahrzeug fährt gelegentlich mit verminderter Leistung/ der Motor ruckelt
Am häufigsten treten sporadische Fehler auf, deren Ursache mitunter schwer zu diagnostizieren sind, da diese Fehler nur unter bestimmten Bedingungen auftreten. Dauerhafte Fehler sind in der Regel am einfachsten zu diagnostizieren, da hier der Fehler meistens offensichtlich ist.
Mögliche (häufige) Fehlerquellen
Fehler in der Zündanlage
- Zündkerzen (möglicherweise nur ein Folgefehler eines anderen Defekts)
- Zündspulen
- Zündkabel
- elektr. Leitungen zur Steuerung des Zündsystems
Fehler im Kraftstoffsystem
- zu mageres Gemisch
- zu fettes Gemisch
- zu hoher Kraftstoffdruck
- zu niedriger Kraftstoffdruck
Fehler in der Frischluftzufuhr
- Leckage im Ansaugtrakt nach Luftmassenmesser
- erhöhter Öleintrag über die Kurbelgehäuseentlüftung
- Details hierzu unter mechanische Beschädigungen/ Fehlfunktionen
- Schäden im Sekundär-Luft-System
Fehler im Abgassystem
- Fehlfunktionen des AGR-Systems
- Verstopfungen der Abgasanlage
mechanische Beschädigungen/ Fehlfunktionen
- Unzureichende Kompression
- Defekte in der Ventilansteuerung
- nicht gasdicht schließende Ventile
- fehlerhafte Steuerzeiten (z. B. durch Dehnung der Steuerkette)
- verschlissene/ defekte Kolbenringe
- durch einen Defekt der Kolbenringe kann es zu erhöhtem Druck im Kurbelgehäuse kommen
- dieser führt zu einem erhöhten Öleintrag in das Frischluftsystem durch die Kurbelgehäuseentlüftung
- dieser erhöhte Öleintrag setzt sich an Teilen des Ventiltriebes fest (Ventilschaftdichtung, Ventildeckel, Ventilsitz)
- ein starkes Indiz hierfür ist ein hoher Ölverbrauch des Motors (äußere Leckage ausgenommen)
falsche Steuerzeiten
- Eine Überprüfung der Steuerzeit ist im Falle von Verbrennungsaussetzern oftmals ratsam
- Wenn die Steuerzeiten nicht korrekt sind, ist die Ursache zu ermitteln (gelängte Steuerkette z.B.)
Sowie das häufigste Problem – Verkokung der Ventile
Verkokung
- Ablagerungen/ Verschmutzungen im Ventiltrieb
Bei Motoren mit Saugrohreinspritzung, bei der das Benzin in den Ansaugkanal gespritzt wird, gibt es dieses Problem auf der Einlassseite eher selten. Bei der traditionellen Saugrohreinspritzung “wäscht” das Gemisch die Ansaugseite bis zu den Einlassventilen, weshalb die Ablagerungen bei dieser Art der Einspritzanlage im Allgemeinen geringer sind und wenn Sie auftreten, dann auf der Auslass-Seite.
Das Problem der Verkokung tritt bauartbedingt am häufigsten bei Direkteinspritzer-Motoren auf. Bei diesen Einspritzsystemen wird der Kraftstoff direkt in den Brennraum eingespritzt, wodurch die Ventile steht´s im „Trocknen“ arbeiten. Im Laufe der Betriebszeit des Motors lagern sich Verbrennungsrückstände an den Ventilen ab. Dieses Problem betrifft die Einlassventile genau so wie die Auslassventile.
Kurzstreckenbetrieb ist einer der Hauptgründe für Verschmutzungen im Ventiltrieb. Durch das “anfetten” des Kraftstoff-Luftgemisches während der Warmfahrphase kommt es vermehrt zu Ablagerungen am Ventiltrieb. Durch die Kurzstreckenbedingte fehlende Hitze im Brennraum werden diese Ablagerungen nicht “freigebrannt” und führen somit zum stehtigen versotten des Ventiltriebes.
Ein weiterer Grund für die Verkokung der Ventile kann ein zu hoher Öleintrag durch die Kurbelwellenentlüftung in den Ansaugtrakt eine defekte Ventilschaftdichtung oder defekte Kolbenringe sein. Der dünne Ölfilm benetzt die Ventilteller und führt so zu einem Anhaften der Verbrennungsrückstände. Zudem wird der Ölfilm selbst auf den Ventilen verbrannt und bleibt als Verbrennungsrückstand zurück.
Der Schadensfall:
Alle genannten Gründe führen zu dem gleichen Ergebnis: Verkokste Ventile führen zu einer unzureichenden Abdichtung des Brennraums, was zu einer nicht optimalen Kompression im Brennraum und schließlich zu Verbrennungsaussetzer/ unsauberer Verbrennung führt.
Die Diagnose
Die häufigsten Komponenten, die bei der Reparatur aufgrund von Verbrennungsaussetzer ausgetauscht werden, sind Zündungskomponenten (Zündkerzen, Spulen usw.).
Doch ein hinterlegter Fehlercode mit dem Verweis auf Verbrennungsaussetzer liegt selten an einem Defekt in der Zündanlage.
Eine erfolgreiche Verbrennung erfordert eine vollständige Verdichtung des Kraftstoff-Luft-Gemisches, ein zündfähiges Kraftstoff-Luft-Gemisch und eine erfolgreiche Zündung des Kraftstoff-Luft-Gemisches. Es gibt also mehr mögliche Fehlerquellen als nur das Zündsystem.
Eine Sichtprüfung der Zündkerzen kann Aufschluss über die stattfindenden Verbrennungen geben.
Die zwei häufigsten Fehlerbilder an den Zündkerzen:
- Weiche, schwarze, rußige Ablagerungen am Kerzenfuß der Zündkerze
- Fettes Luft-Kraftstoffgemisch, schwache Zündung
- Am Kerzenfuß der Zündkerze zeigt sich „Nässe“ durch Schmieröl
- Ölablagerungen sind normalerweise ein Anzeichen auf fortgeschrittenen Motorverschleiß/ Ölverbrauch
In beiden Fällen sollte der Brennraum per Endoskop überprüft werden, sowie eine Dichtheitsprüfung mit einem Lecksuchgerät durchgeführt werden.
Prüfmittel/ Prüfverfahren zum identifizieren von Verbrennungsaussetzer-Fehlerquellen
- Endoskop
- Lecksuchgeräte
- Rauch/Nebelmaschinen
- Stroboskoblame/ Zündlichtpistole
- Zündfunkenprüfer
- Kompressionstester
- Oszilloskop
Zusammenfassung
Die Suche nach der Ursache von Verbrennungsaussetzer kann eine langwierige und nervraubende Unternehmung sein. Aus Frust oder der Hoffnung, dass der Fehler durch einen Defekt im Steuergerät hervorgerufen wird, wird dann das Steuergerät als Fehlerursache entschieden.
Doch wie bereits im Vorwort vorgegriffen: Das Steuergerät ist in den seltensten Fällen das fehlerverursachende Bauteil, da es deutlich störungsanfälligere Bauteile in modernen Kraftfahrzeugen gibt, die bei einem Defekt Verbrennungsaussetzer als Folge haben können.
Vor der Einsendung des Steuergerätes sollte also wirklich genau überlegt werden, ob alle anderen Fehlerquellen ausgeschlossen wurden.